Es geht rund im Øresund

Riesen-Dorsche im Winter haben dem Øresund Weltruhm verschafft. Doch geht es hier zu jeder Jahreszeit rund. Hornhechte, Köhler, Pollack, Makrelen, Heringe, Meerforellen und Plattfische machen die dänische Meerenge zu einem Traumrevier für Meeresangler.

Seit Jahrzehnten gilt der Øresund, die Meerenge zwischen Dänemark und Schweden, als ein Super-Revier für Dorschangler. Von Ende 1920 bis weit in die 50er Jahre war der Øresund sogar weltbekannt für Big-Game-Angeln auf große Thunfische. Der Rekordfisch von 1950, gefangen von Knud Kyvsgaard, wog nicht weniger als 744 Pfd. Aber das ist leider Schnee von gestern, denn plötzlich um 1960 verschwanden die Thunfische, und erst in den letzten Jahren wurden wieder einzelne Exemplare gesichtet. Ob es wieder einmal möglich sein wird, im Øresund Thunfische zu angeln, muss die Zukunft zeigen. Phantastisch wäre es ja.

Seinen Ruf als erstklassigen Angelplatz hat der Øresund jedoch behalten, und das völlig zu recht, dank der vielen Dorsche, die in Mengen und Größen gefangen werden können, wie nirgendwo sonst. Erst als die Angler anfingen auf dem Gelben Riff vor der dänischen Nordseeküste zu angeln, hat der Øresund Konkurrenz bekommen. Aber der Øresund hat einige deutliche Vorteile: Man kann das ganze Jahr angeln, solange das Meer nicht zufriert; in dem schmalen Øresund sind die Angelplätze schnell zu erreichen, und selbst an windigen Tagen können die Kutter rausfahren. Den Namen Øresund verbindet man meist mit Winterangeln auf kapitale laichreife Dorsche bis 60 Pfd. Im Frühjahr werden viele kleine Dorsche im flachen Wasser gefangen und in den Sommermonaten dreht es sich um mittelgroße Dorsche, die in den tiefen Rinnen auf Pilker beißen. Wenn im Herbst die Blätter fallen, kommen Angler von weither angereist, um das phantastische Herings-Angeln zu erleben oder um die riesengroßen Makrelen zu fangen, die nun vom Kattegat zuwandern. Von Oktober bis Ende Dezember fahren einige Angelkutter auf dicke Plattfische, ehe es dann im Januar wieder auf Großdorsch geht.

Winter-Dorsche

Vor einigen Jahrzehnten, als die Winter kälter als heute waren, begann die Dorsch-Saison schon Ende Dezember, wenn die ersten dicken Dorsche bei der Insel Ven zum Laichen ankamen. Heute fängt das Angeln auf Großdorsche erst im Januar an, aber man kann schon im Dezember auf mittelgroße Fische rechnen. In den 70er Jahren fanden Angler viele neue Stellen im Norden bei Helsingör, wo die ersten Dorsche ankommen. Aber dennoch werden auch weiter südlich bei Kopenhagen jedes Jahr schöne Exemplare gefangen.

Im Frühling

Im März geht das Angeln auf große Dorsche langsam zu Ende. Sie verlassen den Øresund und verbringen den Sommer im Kattegat und in der Ostsee. Im Øresund werden nun kleine und mittelgroße Dorsche mit leichterem Pilk- und Spinngerät geangelt, je nach Strömung und Wetter natürlich. Sehr beliebt bei dänischen Anglern ist der Hornhecht. Plötzlich an einem Tag im Mai erscheinen Unmengen von Hornhechten und lassen sich überall im flachen Wasser und an den Strömungskanten fangen. Die Vorhut besteht oft aus 1 m langen und armdicken Exemplaren. Bald laichen die Hornhechte im Seegras und haben dann ein paar Wochen lang nur selten einen Blick für unsere Köder. Wenn sie abgelaicht haben, fangen sie wieder an zu fressen. Manchmal ziehen im Frühjahr und Sommer Schwärme von 1 - 4 kg schweren Köhlern und Pollacks aus dem Kattegat in den Øresund und lassen sich gut mit Pilk- und Spinnrute fangen.

Sommer und Herbst

In den letzten 5 - 6 Jahren konnten sich die Angler wieder über spannendes Makrelen-Angeln im Spätsommer und Herbst freuen. Einige Jahre waren die Makrelen rar, aber nun treten sie wieder in größeren Mengen auf. Das Besondere am Øresund: Die Makrelen sind außergewöhnlich groß und können über 2 kg wiegen. Die gestreiften Räuber sind tolle Kämpfer am leichten Spinngerät und schmecken hervorragend. Die Makrelen beißen oft am besten, wenn Nordwind die Fische in den Øresund hineindrückt. Man fängt sie auf Pilker zwischen 25 und 100 g und Systemen mit Federn, wobei man in Dänemark nicht mehr als 2 Makrelen-Federn verwendet. Die Ruten sind 2 - 2,40 m lang mit einem Wurfgewicht von 15 - 40 g. Die mittelgroße Stationär-Rolle fasst ungefähr 200 m 0,25er monofile Schnur.

Millionen Heringe

Was wäre der Øresund ohne seine Heringe! Später im Sommer bis weit in den Spätherbst hinein erscheinen Millionen von Heringen auf der Bühne. An guten Tagen füllen erfahrene Angler ohne Mühe einen ganzen Eimer mit diesen leckeren Fischen, die vor 800 Jahren Kopenhagen zu einem Handelsknotenpunkt machten. Die vielen Heringe kommen genau zur rechten Zeit für die Angler, da im Herbst die Dorsche nicht so gut beißen. Herings-Angeln ist aber nicht ganz einfach. Zwar kann der Kapitän den Kutter präzise über den Fischen halten, aber der Angler muss mit seinem System herausfinden, in welcher Tiefe die Heringe stehen. Üblicherweise verwendet man ein Herings-Vorfach und als Beschwerung einen Pilker. Entweder wirft man den Pilker oder lässt ihn einfach am Boot absinken. Man stoppt ihn nah unter der Oberfläche und bewegt ihn langsam auf und ab. Beißt nach einigen Sekunden nichts, lässt man ihn zwei Meter tiefer sinken und bewegt ihn wieder auf und ab. So geht es weiter, bis man die Heringe gefunden hat. Wenn ein Hering beißt, lässt man die Montage noch 10 - 20 Sekunden länger im Wasser, bis an jedem Haken ein Hering sitzt. Erst dann drillt man die Fische sehr vorsichtig zur Oberfläche. Nun werden sie mit sanfter gleichmäßiger Bewegung an Deck gehoben, da sie ein weiches Maul haben und leicht vom Haken fallen. Das Gerät sollte so leicht wie möglich sein.
An ruhigen Tagen ohne Strömung nehmen wir eine 15 Pfd. Pilkrute. Man sollte nie einen zu schweren Pilker nehmen, denn bei leichten Modellen fühlt man die Herings-Bisse besser. Bei Sonne und klarem Wasser darf die Schnur nicht zu dick sein.

Dicke Plattfische

Auch im Herbst gibt es viele Dorsche, aber man fängt sie schlecht, da sie in den Herings-Schwärmen jagen. Besser beißen jetzt die Plattfische. Wenn im Oktober die Wassertemperatur fällt, gibt es Fangmeldungen von großen Plattfischen. 2002 wurde im Øresund die dänische Rekord-Scholle von 9 Pfd. 100 g gefangen. Besonders in den letzten Jahren hat das Interesse an Plattfischen stark zugenommen. Viele dänische und schwedische Angler betrachten das Plattfisch-Angeln im Herbst als eine Art Ouvertüre zum Dorschangeln im Winter. Hat man es auf Plattfische abgesehen, sollte man dies im voraus mit dem Kapitän absprechen, da es sich nicht mit dem Angeln auf Dorsch, Makrele oder Hering verbinden lässt.

Quelle: Dieser Bericht ist dem Sonderheft der Zeitschrift Blinker "Angeln in Dänemark"
Blinker-Reisen Nr. 5 entnommen. Autor: Lars Östergaard Jensen - 2003


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